Wissenswertes

Migration und Sport in Österreich

Migration und Sport in Österreich. Die Bedeutung der Migration für die Entwicklung des österreichischen Sports - ein historischer sowie leistungssportspezifischer Ansatz (Wien - Stand: 17. Mai 2012)

 

Abstract:

Die geographische Lage Österreichs, im „Herzen“ Europas, am Schnittpunkt der Ost-West- und Nord-Süd-Handelsrouten, hat dazu beigetragen, dass das Gebiet stets von Zu-, Ab- und Transitwanderungen geprägt war. Weder das Bevölkerungswachstum der Klein- und Mittelstände sowie der ehemaligen habsburgischen Haupt- und Residenzstadt Wien noch deren kulturelle Vielfalt ist ohne die Zuwanderung und das kulturelle Gepäck vorstellbar, dass die Migranten im Laufe der Jahrhunderte mitbrachten.

 

Die Entwicklung des Sports, seine nationale und internationale Expansion, ist nur mit der Kraft der weltweiten Wanderungsbewegungen der letzten 150 Jahre zu erklären. Besonders die Entstehung zahlreicher Sportarten (z.B. Fußball) sowie Vereins- und Verbandsstrukturen (z.B. Skilauf in Österreich und in der USA) kann aus heutiger Sicht nur mit den individuellen Wanderungsbestrebungen von zahlreichen Pädagogen, Leibeserzieher, Sportwissenschaftler und vor allem Sportler, bedingt durch unterschiedliche Ursachen (Bildungsmigration, Vertreibung, Arbeitsmigration,…) verstanden werden. Insbesondere der Fußballsport, welcher in seiner globalen Vielfalt als eine komplexe Migrationsbewegung zu verstehen ist, kann auf eine bewegte Vergangenheit in Österreich mit zahlreichen „Legionären“ sowie Einbürgerungen zurückblicken.

 

Um die verschiedenen Phasen der Migration in der Zweiten Republik von Fußballern nach Österreich quantitativ beschreiben und in den Kontext genereller Migrationstrends einbetten zu können, haben Barbara Liegl und Georg Spitaler die wichtigsten soziodemographischen und sportlichen Daten der „Legionäre“ und der Spieler der zweiten Generation der obersten Liga für den Zeitraum 1945 bis 2005/06 systematisch erfasst und im Jahr 2008 veröffentlicht. Für den angegebenen Zeitraum wurden 1.111 Spieler sowie 106 ausländische Liga-Trainer bzw. Trainer der zweiten Generation erfasst.

 

13 Österreicher aus dem 74-köpfigen Olympia-Team für die Olympischen Spiele 2004 in Athen sind nicht als Österreicher auf die Welt gekommen: Tuncay Caliskan (Türkei), Weixing Chen, Jia Liu (beide China), Mirna Jukic (Jugoslawien), Maxim Podprigora ((Ukraine), Kate Allen (Australien) Bettina Müller, Christiane Soeder, Peter Gartmayer (alle Deutschland), Violetta Oblinger-Peters (Schweden), Lubos Cikel, Radovan Valach (beide Slowakei), Julius Viktor Madecki (Polen). Handball-Damen: Bei den Spielen in Barcelona 1992 und Sydney 2000 trat Gunnar Prokop mit ganzen "Fremdenlegionen" eingebürgerter Handballerinnen an.

 

Dies veranlasste mich, die Sportberichte der zuständigen Sportministerien des Zeitraums 1969-2011 im Bereich „Staatsbürgerschaft“ zu analysieren. Als rechtliche Grundlage gilt das Bundesgesetz über die österreichische Staatsbürgerschaft auch genannt Staatsbürgerschaftsgesetz (StbG) von 1985. Die bedeutenden Paragraphen sind in erster Linie der § 10, Absatz 6 sowie der § 11a. Absatz (4.4), wo es dem Gesetzgeber möglich ist, die Staatsbürgerschaft im staatlichen Interesse zu verleihen, „wenn die vom Fremden bereits erbrachten und zu erwartenden außerordentlichen Leistungen auf wissenschaftlichem, wirtschaftlichem, künstlerischem oder sportlichem Gebiet im Interesse der Republik liegt“.

 

Die Analyse ergab einen interessanten Einblick in die Vielfalt des österreichischen Leistungssportes. Im Zeitraum von 1969-2011 wurden bei 671 dokumentierten Ansuchen 376 als positiv, 266 als negativ beurteilt und weitergeleitet. Im Zeitraum von 1969-2011 gab es in Österreich zumindest in 50 Sportarten/Sportdisziplinen mindestens 284 Einbürgerungen (u.a. Handball/37, Eishockey/24, Volleyball/23). Im Zeitraum von 1994-2011 wurden mindestens 193 Sportlerinnen und Sportler aus 39 Ländern weltweit eingebürgert. Österreich kann somit auch im Sport, insbesondere im Bereich der Leistungssportförderung, als Einwanderungsland bezeichnet werden. Die beispielhafte individuelle Darstellung verschiedener Sportarten und deren Leistungssportler runden die Analyse ab.

 

Quellen- und Literaturverzeichnis, siehe Aufsatz

 

An dieser Stelle möchte ich einen besonderen Dank für die hervorragende Zusammenarbeit in der Abklärung verschiedener Informationen an die Austria Presse Agentur (APA), an zahlreiche österreichische Fachverbände sowie an die Sektion Sport im BMLVS aussprechen.