Wissenswertes

Sportförderung in der Ersten Republik

Gedanken zur Sportförderung in der Ersten Republik
Auszug aus dem Nachwort: Neubauer, Alexandra (2001). Staatliche Sportförderung in Österreich in der Ersten Republik. Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang GmbH, S. 161-162 (Beiträge zur neueren Geschichte Österreichs; 18)

 

... Um die Grundfrage der vorliegenden Arbeit zu beantworten, ist zu sagen, daß es in Österreich in der Ersten Republik durchaus staatliche Sportförderung gab. Im Vergleich zu heute, wo der Sport im Leben und als Wirtschaftsfaktor sozusagen omnipräsent und von großer Wichtigkeit ist, waren die Ausmaße damals bei Organisation und den zur Verfügung stehenden Mittel weitaus geringer. Trotzdem hatte man die Bedeutung des Sports für die Menschen und auch für die Politik erkannt und handelte demgemäß. Ein Beweis dafür ist, daß erstmals in Österreich von staatlicher Seite Maßnahmen gesetzt wurden, um den Bereich der Leibesübungen organisieren und unterstützen zu können. In erster Linie sei die Einrichtung einer, "staatlichen Stelle für Körperpflege und Leibesübungen", eine frühe Form des Sportministeriums, angeführt, die 1919 im damaligen Staatsamt für Volksgesundheit untergebracht war. Wie der Name des Ministeriums aussagt, stand in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg die Wiederherstellung der Gesundheit der Bevölkerung im Vordergrund. In Folge von Einsparungsmaßnahmen wurde das Sportreferat 1926 ins Unterrichtsministerium verlegt, wo es neben der dortigen Abteilung für Sport im Schulwesen existierte. Mit dem Aufbau des Ständestaates kam auch das österreichische Sportwesen unter autoritäre Kontrolle. Als Dachorganisation wurde 1934 die Österreichische Sport- und Turnfront gegründet, an deren Spitze Vizekanzler Starhemberg als Oberster Sportführer stand. Das Sportreferat wiederum wurde in das Bundeskanzleramt verlegt. Die auf Dollfuß zurückgehende Organisation sollte der vaterländischen Regierung im Kampf gegen Nationalsozialismus und Sozialdemokratie dienen. Neben dieser Motivation der Sportförderung stand zu dieser Zeit und eigentlich schon seit der verstärkten Heimwehrtätigkeit die körperliche Betätigung als Mittel zur Wehrertüchtigung im Vordergrund.

 

Neben den staatlichen Einrichtungen wurden weiters Gesetze zur Förderung des Sports erlassen. Hier seien das Spielplatzschutz- und Spielplatzanforderungsgesetz von 1920 erwähnt, die dem großen Problem des Spiel- und Sportplatzmangels Abhilfe schaffen sollten. Ein eigenes sogenanntes Sportförderungsgesetz gibt es erst seit 1969, sodaß es in der Zwischenkriegszeit keine einheitliche Regelung bezüglich dieses Themas gab. Ein weiteres Problem stellte die Tatsache dar, daß Sport nach der Bundesverfassung von 1920 in die Kompetenz der Länder und nicht in die des Bundes fällt.

 

Nichtsdestoweniger wurde die körperliche Ertüchtigung vom Staat gefördert. Verbände und Vereine bekamen je nach Wirtschaftslage und Budget gewisse Summen an Geldern für ihre Auslagen, Veranstaltungen, für Sportplatzbau, Geräteanschaffung oder Kurse. Ohne genau auf die Zahlen eingehen zu wollen, ist zu bemerken, daß CDTÖ, DTB und der Österreichische Hauptverband für Körpersport viel mehr Subventionen erhielten als der ASKÖ und seine Vereine.

 

Das lag nach Aussage der zuständigen Stellen daran, daß diesem Verband von der Gemeinde Wien unverhältnismäßig große Summen in Vergleich zu den "bürgerlichen" Organisationen zugesprochen wurden. An dieser stelle sei auch angeführt, daß die unterschiedlichen Parteien und die ihr nahestehenden Verbände trotz ihrer differenten Einstellungen durchaus ähnliche Vorstellungen und Ziele in Bezug auf den Sport hatten. Dabei ist zum Beispiel an die jeweiligen Massenveranstaltungen zu denken oder die Einführung des Wehrturnens in den Vereinen...